Kerstin Schreyer MdL Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung im Interview Das Ehrenamt in den Wohlfahrtsver bänden ist ein Integrationstreiber Wie kann man die Zusammenarbeit zwischen Politik und Wohlfahrtsver bänden verbessern Die Menschen in Bayern haben uner müdliche Hilfsbereitschaft gezeigt Die Integration ist ohne ehrenamtliches und freiwilliges Engagement nicht zu bewäl tigen Hier werden alle gebraucht von Hilfswerken und Sozialverbänden vom Sportverein und von den Feuerwehren bis zur Landjugend und zu den kirchli chen Gruppen Zahlreiche Helferkreise Studentenprojekte und Plattformen in den sozialen Netzwerken haben sich da für erfolgreich gegründet Hier sind bürokratische Auflagen fehl am Platz Integration kann nicht nur staatlich organisiert sondern muss praktisch gelebt werden Das Miteinander im Gespräch bleiben und der Austausch von Politik und Ehren amt sind dabei sehr wichtig Traumata und psychische Erkrankungen sind weit ver breitet bei Menschen mit Fluchthintergrund Wie kann man die psychosoziale Versorgung dieser Menschen sicherstellen Wenn wir Integration ernst meinen müssen wir traumatisier ten Menschen helfen um hier nicht nur physisch sondern auch psychisch anzukommen Hierzu gehören genauso eine offene Haltung Menschen mit Migrationshintergrund gegenüber wie mehrkulturelle Behandlungsteams und die Bereitschaft von muttersprachlichen Behandlungen durch Einsatz von Dolmetschern Gerade die Sprachbarriere erschwert eine Behand lung zusätzlich Auf die Krankenkassen muss eingewirkt werden dass diese den Einsatz von Dolmetschern besser übernehmen Leider besteht auch ein Informationsdefizit weil es an mehr sprachigen Informationsblättern über Zugangswege zu einer psychosozialen Betreuung mangelt Daran müssen wir arbeiten Der Arbeitsmarkt ist wichtig um Teil unserer Gesellschaft zu werden Wie können wir Geflüchtete die vorerst nicht in ihre Heimat zurückkönnen schneller in Beschäftigung bringen Je eher die Menschen mit hoher Bleibeperspektive die zu uns kommen selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können umso schneller werden sie Teil unserer Gesellschaft In Zu sammenarbeit von Wirtschaft und staatlichen Stellen müssen vorhandene Qualifikationen festgestellt Ausbildungsmög lichkeiten geschaffen und passende Arbeitsplätze vermittelt werden In Bayern haben wir uns zum Ziel gesetzt bis 2019 rund 60 000 Menschen die dauerhaft bei uns bleiben wer den im Arbeitsmarkt zu integrieren Die Integration dieser Gruppe ist die zentrale gesellschaftliche Herausforderung der nächsten Jahre Zur Beratung und Unterstützung der oft unsicheren Betriebe habe ich ein Faltblatt Flüchtlinge und Arbeit erarbeitet um über die bestehenden rechtlichen Rah menbedingungen hinsichtlich der Einstellung von Flüchtlingen zu informieren Dieses Faltblatt kann auch über die Geschäfts stelle der Integrationsbeauftragten angefordert werden Arbeitsmarkt vereinfacht wird indem für junge Geflüchtete das Angebot berufsvorbereitender Maßnahmen ausgebaut wird indem mitgebrachte ausländische Berufsqualifikati onen schneller anerkannt werden indem Geflüchteten in größerem Umfang psychosoziale Betreuung ermöglicht wird und nicht zuletzt indem die Migrationsberatung durch mehr staatliches Engagement gestärkt wird Denn Integration ist mehr als nur ein Auftrag sie ist vor allem eines eine Chan ce für unsere Gesellschaft Koordiniert wird die Migra tionsarbeit des BRK im Team Migration und Teilhabe in der BRK Landesgeschäftsstelle Darüber hinaus gibt es die Lenkungsgruppe Flüchtlings und Integrationsarbeit zur Steuerung der Herausforderungen Asyl und Integration In den Sprach und Inte grationskursen des BRK Kreisverband München werden Menschen mit Zuwanderungsgeschichte nicht nur für Alltagssitu ationen trainiert sondern gezielt im Hinblick auf Qualifizierungsmaßnah men und den Arbeits markteintritt geschult einsatzbereit 04 2017 9 Thema Integration

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